Sind Hyhiene-Zertifizierungen in Corona-Zeiten notwendig?

Sind Hyhiene-Zertifizierungen in Corona-Zeiten notwendig?

Heute mal ein Thema, das nichts mit Musik zu tun hat. Allerdings stelle ich durch meine aktuellen Veranstaltungen als DJ und auch Events, die ich ich in diesen beiden beruflichen Tätigkeiten durchführe, große Unsicherheiten bei Veranstaltern fest, wenn es um das Thema Hygienebeauftragung/Hygienebeauftragter in Zeiten von Corona geht.

Braucht es ein Zertifikat?

Die Unsicherheit bei Veranstaltern in Bezug auf Hygienevorschriften bzw. dem Umgang in Corona-Zeiten resultiert oft aus dem Blick auf die Mitbewerber bzw. dem Wunsch der Geschäftsleitung, aktuellen Trends zu folgen. Dabei folgt die Entscheidung weniger einer Analyse des Bedarfes, sondern eher dem Bauchgefühl „wir müssen uns zertifizieren, weil das alle machen“. Natürlich kann und sollte man sich als Unternehmen nach einer ausführlichen Analyse zertifizieren lassen. Dazu gehören zum Beispiel die Zertifizierung des eigenen Arbeitsschutzes bzw. des Arbeitsschutzmanagements (AMS) nach ISO 45001. Diese Zertifizierungen werden von den meisten Berufsgenossenschaften unterstützt in Form von kostenlosen bzw. subventionierten Angeboten. Für Messeunternehmen bietet die BG Bau sogar eine Geldprämie an. Siehe dazu auch folgendes Dokument: https://www.bgbau.de/fileadmin/Produkte/Arbeitsschutzpraemie/Katalog_Arbeitsschutzprämien_2021_BG_BAU.pdf

Corona-Zertifizierung

Bei meinen Veranstaltungen, unabhängig davon ob ich als gebuchter DJ dort auftauche oder das Event selbst veranstalte, ist die Unsicherheit der Auftraggeber spürbar, wenn es um die Frage nach einer „Corona-konformen“ Zertifizierung geht. Darauf gibt es eine klare Antwort: So etwas gibt es nicht!

Am 18. April 2020 führte das R.I.F.E.L. in seiner Handlungsempfehlung einen neuen Corona-Beauftragten ein, den „Hygienebeauftragten“, ohne jedoch diese Funktion mit den notwendigen Inhalten oder Anforderungen zu unterlegen (Quelle: RIFEL Veranstaltungssicherheit im Kontext von COVID-19 V2.0). Diese daraus resultierende Unsicherheit, die durch die Angebote verschiedener Bildungsträger noch befeuert wird, ist aktuell auf vielen Events spürbar. Seit Juni bin ich auf ca. 15 Veranstaltungen gewesen, meistens gab es auch einen Hygienebeauftragten, aber jedes dieser Events war in seiner „Corona-gerechten“ Durchführung unterschiedlich.

Kurse zum Hygienebeauftragten

Die Bildungsanbieter gaben „Blut geleckt“ und es schießen Kurse wie Pilze aus dem Boden: Darunter sind mehr oder weniger sinnvolle Angebote. Die Palette reicht von eintägigen Kursen, über zweitägige Angebote bis hin zu einem fünftägigen Kurs des R.I.F.E.L. Dabei liegen die Preise für Tageskurse meistens im unteren vierstelligen Bereich. Hinweis: Wer sich die Mühe macht, die Preise dafür zu recherchieren, bitte nicht den „Hygienebeauftragten in der Pflege“ mit dem Hygienebeauftragten laut R.I.F.E.L. in seiner Handlungsempfehlung verwechseln, um den es in diesem Beitrag geht.

Muss ich?

Doch zurück zum Thema: Sind Zertifizierungen zum „Hygienebeauftragten“ vorgeschrieben? Antwort: Nein!

Sind in einem Unternehmen die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt ausreichend qualifiziert, dann fällt auch die Zuständigkeit für Hygiene bei Veranstaltungen in deren Bereich. Dieses gilt nach dem Arbeitsschutz- und Arbeitssicherheitsgesetz sowie des DGUV Vorschrift 1. Benötigt ein Veranstalter nun also ein Hygienekonzept bzw. einen Hygieneplan, bieten die Informationen des Bundes und der jeweiligen Unfallversicherungsträger ausreichend Handlungsrichtlinien für die Erstellung. Exemplarisch seien hier folgende Links interessant:

https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Arbeitsschutz/arbeitsschutz.html

https://www.baua.de/DE/Services/Presse/Pressemitteilungen/2020/08/pm029-20.html

https://www.dguv.de/corona/index.jsp

Fazit

Weiterbildungen sind nie verkehrt. Und aus meiner Sicht wäre ein einheitliches Vorgehen wünschenswert, besonders eben mit Blick auf die völlig unterschiedliche Handhabung im Umgang mit Hygieneschutz auf Veranstaltungen in Zeiten von Corona. Ich muss an dieser Stelle Herrn Spahn Recht gegen, wenn er am 17. August 2020 sagte: „Feierlichkeiten, Veranstaltungen – dort überträgt es sich sehr, sehr schnell. Deswegen finde ich, müssen wir mit den Ländern nochmal schauen: Was sind die Grenzen, was sind die Regeln für die Größen von Veranstaltungen.“

Allerdings liegt hier die große Verantwortung bei den Locations, in die sich z.B. Brautleute mit ihren Familien und Gästen einmieten. Ich habe in den letzten Wochen die ganze Palette zwischen „Corona ist Quatsch“ bis hin zum perfekt ausgearbeiteten Hygienekonzept erlebt, wobei letzteres der Feier keinen Abbruch tat.

Natürlich bleibt es jedem selbst unbenommen, sich weiterzubilden. Allerdings sollte man genau prüfen, wo tatsächlich der betriebliche Bedarf liegt und auch, ob die Bildungsanbieter überhaupt die entsprechenden Qualifikationen haben, auf diesem Gebiet fortzubilden.

Corona wird uns noch eine Weile erhalten bleiben. Und sicherlich wird es in Zukunft kein „weiter so“ oder „jetzt wird alles wie früher“ geben, sondern bedarf es eines echten „Change“ auch in Bezug auf Events. Aber ich bin voller Hoffnung, dass wir in Zukunft wieder tolle Veranstaltungen erleben werden, seien es private Hochzeiten oder große Live-Events mit großartigen Künstlern.

Also bleiben Sie gesund.

Ihr Norman Reitner

DJ und Referent für Veranstaltungsmanagement

Posted on: 14. September 2020Norman Reitner

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